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Holger Siebert Fachanwalt für Erbrecht auf YouTube

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Was ist eigentlich ein Berliner Testament?

Unter den gängigen Testamentsformen erfreut sich das Berliner Testament allergrößter Beliebtheit. Aber was ist eigentlich so ein Berliner Testament?

Die Besonderheiten der Wechselbezüglichkeit beim Berliner Testament

Nach dem Gesetzeswortlaut sind wechselbezügliche Verfügungen solche, „von denen anzunehmen ist, dass die Verfügung des einen nicht ohne die Verfügung des anderen getroffen sein würde“. Wechselbezügliche Verfügungen in einem gemeinschaftlichen Testament stehen also in einem Abhängigkeitsverhältnis. Im Zweifelsfall ist zum Beispiel die gegenseitige Erbeinsetzung in einem gemeinschaftlichen Testament wechselbezüglich. Der eine Ehegatte hätte den anderen nicht als Erben benannt, wenn er nicht selber auch als Erbe eingesetzt worden wäre. Wechselbezügliche Verfügungen „stehen und fallen miteinander“.

Wie kann ich mich aus der Bindung des Berliner Testaments lösen?

Verstirbt der erste Ehegatte bzw. eingetragene Lebenspartner, werden die wechselbezüglich getroffenen Verfügungen unwiderruflich. Das heißt der überlebende Ehegatte kann jetzt hieran grundsätzlich nichts mehr ändern. Das nennen wir Bindungswirkung.

Unerkannte Gefahr: Die Pflichtteilsansprüche der Kinder beim Berliner Testament

Verstirbt der erste Ehegatte bzw. eingetragene Lebenspartner, so wird aufgrund der Anordnung im Berliner Testament der überlebende Ehegatte Alleinerbe. Durch diese Alleinerbeneinsetzung ist den Kindern des Verstorbenen der gesetzliche Erbteil entzogen. Daraus erfolgt ein Pflichtteilsanspruch des jeweiligen Kindes. Dass die Kinder letztendlich beim Tod des zweiten Ehegatten dann erben werden, spielt dabei keine Rolle.

Steuerfalle Berliner Testament

Wir stellen uns ein Ehepaar mit zwei Kindern vor, die ein Berliner Testament errichtet haben. Verstirbt der erste Ehegatte, so wird der überlebende Ehegatte aufgrund der Anordnung im Berliner Testament Alleinerbe. Dieser hat einen persönlichen Freibetrag in Höhe von 500.000.–. Darüber hinaus gehendes Vermögen müsste versteuert werden. Die Freibeträge der Kinder in Höhe von jeweils 400.000.– bleiben in diesem Fall ungenutzt. Darüber hinaus wird vom Erstversterbenden kommendes Vermögen zweimal versteuert bis es bei den Kindern angelangt ist.

 

Steuerfalle: Lebzeitige Übertragung des geerbten Familienheims unter Nießbrauchsvorbehal

Nach § 13 Abs.1 Nr.4b des Erbschaftsteuergesetz ist der Erwerb eines Familienheims von Todes wegen durch den Ehegatten steuerfrei, wenn der Erblasser bis zu seinem Tod die Immobilie selbstgenutzt hat und der Erbe nach seinem Tod die Selbstnutzung mindestens für zehn Jahre unverzüglich fortführt. Eine Ausnahme besteht davon nur, wenn der Erbe oder der Erblasser an der Selbstnutzung des Familienheims aus zwingenden Gründen gehindert war.